🧠 Minimalinvasive Spondylodese: Schonende Stabilisierung der Wirbelsäule
Die minimal-invasive Spondylodese ist ein modernes chirurgisches Verfahren zur Versteifung von Wirbelsäulensegmenten. Sie stellt eine Alternative zur konventionellen, offenen Spondylodese dar und zielt darauf ab, die gleiche stabile Fusion der Wirbelkörper mit deutlich geringerer Schädigung des umliegenden Weichteilgewebes (Muskeln, Bänder) zu erreichen.
1. Grundprinzip und Ziel
Das Ziel der Spondylodese ist immer die operative Versteifung eines oder mehrerer Wirbelsäulenabschnitte. Dies ist notwendig bei:
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Instabilitäten (z. B. nach Unfällen oder Wirbelkörperbrüchen)
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Degenerativen Erkrankungen (z. B. Wirbelgleiten = Spondylolisthese, starke Bandscheibenschäden)
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Deformitäten (z. B. Skoliose)
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Chronischen Schmerzen, die auf andere Therapien nicht ansprechen
Die minimal-invasive Technik verfolgt dabei das Prinzip „vom großen Zugang zum kleinen Zugang„. Anstatt einen langen Schnitt zu machen und die Rückenmuskulatur großflächig abzulösen, werden mehrere kleine Hautschnitte (ca. 1-3 cm) gesetzt. Spezielle Arbeitshülsen (Tubus-Systeme) werden dann schonend zwischen den Muskelfasern hindurch bis zur Wirbelsäule vorgeschoben. Durch diese Hülsen arbeiten der Chirurg mit endoskopischen Kameras (Optiken) und speziellen Instrumenten.
2. Schlüsselmerkmale und Vorteile (im Vergleich zur offenen Methode)
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Schonung der Rückenmuskulatur: Dies ist der größte Vorteil. Die Muskulatur wird nicht abgelöst, sondern lediglich auseinandergedrängt. Dies erhält ihre Funktion und Nervenversorgung.
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Geringerer Blutverlust: Durch die kleineren Zugänge und die Muskel-Schonung kommt es zu deutlich weniger Blutungen.
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Reduzierte postoperative Schmerzen: Weniger Gewebetrauma führt zu weniger Schmerzen nach der Operation.
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Kürzerer Krankenhausaufenthalt: Patienten sind oft schneller mobilisierbar und können das Krankenhaus früher verlassen.
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Schnellere Rehabilitation: Die Erholungsphase ist in der Regel kürzer, und Patienten können rascher in den Alltag zurückkehren.
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Kleinere Narben: Die kleinen Schnitte führen zu kosmetisch günstigeren Ergebnissen.
3. Typische Verfahrenstechniken
Es gibt verschiedene Zugangswege für die MIS-Spondylodese, je nach betroffenem Wirbelsäulenabschnitt:
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Posteriorer / transforaminaler Zugang (von hinten): Der häufigste Zugang. Die Instrumente und Implantate (Pedikelschrauben und Stäbe) werden von hinten durch die Haut und die Muskulatur in die Wirbelkörper eingebracht.
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Lateraler / anteriore Zugänge (von der Seite oder vorne): Besonders für die Lendenwirbelsäule (LWS). Der Zugang erfolgt über die Flanke, um z. B. einen Bandscheibenersatz (Cage) direkt in den Zwischenwirbelraum einzubringen. Dies kann oft ohne Beschädigung der Rückenmuskulatur geschehen.
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Navigations- und robotergestützte Chirurgie: Moderne Bildgebungsverfahren (intraoperatives 3D-CT) und Operationsroboter erhöhen die Präzision bei der Platzierung der Schrauben und senken das Risiko für Fehlplatzierungen erheblich.
4. Nachteile und Herausforderungen
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Hohe technische Anforderungen: Die Operation erfordert spezielle Instrumente und eine große Erfahrung des Chirurgen, da das Sichtfeld eingeschränkt ist.
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Nicht für alle Fälle geeignet: Bei sehr komplexen Deformitäten oder Revisionseingriffen kann ein offener Zugang notwendig sein.
Fazit
Die minimal-invasive Spondylodese ist ein fortschrittliches Verfahren, das die Vorteile der Wirbelsäulenversteifung (Stabilität, Schmerzreduktion) mit den Vorteilen des gewebeschonenden Operierens verbindet. Sie ermöglicht vielen Patienten eine schnellere Erholung und weniger postoperative Beschwerden.
